Hallo zusammen,

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heute gibt es mal ein wenig ein außergewöhnlicheres Rezept für euch von mir. Allerdings ist es ein Rezept mit dem ich aufgewachsen bin und welches immer noch sehr viele Kindheitserinnerungen weckt, jedes Mal. Ich wurde eigentlich von Anfang an erzogen mit dem Wissen dass Fleisch nicht aus der Plastiktüte kommt, sondern von Tieren die dafür ihr Leben lassen mussten. Da mein Großvater einen Bauernhof hatte, konnte ich die Aufzucht einiger Tiere miterleben, Schweinen, Hühnern und auch Hasen. Es waren deutsche Riesen, also ordentliche große Hasen, keine kleinen niedlichen Kaninchen, doch süß waren sie natürlich trotzdem, vor allem wenn sie frisch auf der Welt waren. Opa bekam immer im Frühjahr seine jungen Häschen und schnell wurde es zur Tradition das mein Bruder und ich, zwei von ihnen bekamen welche dann den Sommer über bei uns aufwuchsen. Im Herbst gingen die Hasen dann wieder zurück zu Opa und wir wussten das sie geschlachtet werden, dass klingt jetzt hart, aber wenn man damit aufwächst, dann ist es eigentlich etwas ganz normales. Das einzige was Opa uns immer versprechen musste war das wir nicht „unsere“ Hasen geschlachtet wiederbekommen würden, da meine Mutter nach der Schlachtung immer 2 bis 3 zerteilte Hasen bekam, die dann erst einmal in die Gefriertruhe wanderten. Und dann gab es über das Jahr verteilt, meist an speziellen Familienbegebenheiten einen Hasenbraten. Meist mit den selbstgemachten Spätzlen meiner Mutter, einer schönen Bratensoße und einem frischen Salat aus dem eigenen Garten.
Und durch die Art und Weise wie meine Mutter den Hasenbraten zubereitete, freute man sich als Kind schon die ganze Woche auf Sonntag und das wunderbare Essen. Denn sie legte die zerteilten Hasenteile in einer Wein-Essig-Beize ein, wie bei einem Sauerbraten und stellte diesen für 5 – 7 Tage in den Keller. Und wenn man dann nach ein, zwei Tagen was im Keller holen ging, dann roch der ganze Keller nach dieser Beize und man wusste es gibt wieder Hase.
Als mein Opa aus gesundheitlichen Gründen die Zucht leider aufgeben musste, gab es leider keinen Hasenbraten mehr und ich vergaß dieses gut Essen beinahe.
Doch ich wurde größer, zog mit meinem Freund in eine eigene Wohnung und nach drei Jahren kam mir zur Osterzeit der Gedanke mal etwas Außergewöhnliches zu kochen und so rief ich meine Mutter an und fragte sie, wie eigentlich der Hasenbraten funktionierte, den sie früher immer gemacht hat. Allerdings konnte sie mir nicht wirklich ein Rezept geben, sie meinte nur sie hätte ihn in eine Beize eingelegt, die zu 2 Teilen aus Wein und Wasser und ein Teil aus Essig bestanden hätte, dann die üblichen Gewürze und Gemüse rein, das dann ca. eine Woche stehen lassen, dann die Teile anbraten und wieder in Ofen bis er fertig sei.
Gut, dachte ich, grieg ich hin. Also auf zum Metzger meines Vertrauens und einen Hasen vorbestellen. Mein Freund und seine Mutter war es beiden sehr suspekt als ich ihnen fröhlich verkündete das es am Ostersonntag Hasenbraten geben würde.
Kurz darauf holte ich den Hasen beim Metzger ab und wollte ihn in die Beize einlegen. Doch dann stellte ich fest, dass das ganze Tier in keinen Bräter von mir reinpasste, da er noch komplett ganz war, also mit Kopf und allem. Die Nieren, die Lunge und das Herz waren noch an Ort und Stelle, aber die unteren Innereien fehlten. Also auch kein Problem, Geflügelschere und ein scharfes Messer bereitgelegt, den Telefonjoker benutzt und beim Freund meiner Mutter angerufen. Meine Mutter war gerade bei ihm doch sie meinte das sie die Teile immer bereits zerteilt und abgepackt bekommen hat, so hat sie mich weiter gereicht und ihr Freund, der Metzger ist, hat mir dann durchs Telefon erklärt wie ich am besten den Hasen auseinandernehme. Nachdem ich aufgelegt habe hat dann mein Freund erst mal die Flucht ergriffen und ging eine Runde Spazieren, er wollte nicht dabei sein, wenn ich das arme Ding auseinandernehme und ich machte mich ans Werk. Und was soll ich sagen, wer ein wenig den Überblick hat wie ein Körper aufgebaut ist der bekommt das hin. Man sieht eigentlich ganz gut wo man schneiden muss, wo die Gelenke liegen und man nicht unbedingt Knochen auseinanderschneiden muss, (wenn man durch die Knochen schneidet, dann kann es gut vorkommen das kleine Knochensplitter sich beim Braten ablösen welche dann in der Soße herumschwimmen, was etwas unangenehm werden könnte). Für den Kopf und die Innereien hatte ich damals keine Verwendung und wickelte sie in ein wenig Zewa bevor ich sie im Restabfall entsorgte, aus Angst mein Freund würde einen Herzinfarkt bekommen, wenn er den Kopf im Müll sehen würde. Ich zerteilte und entbeinte den Hasen nicht wirklich, eigentlich zerteilte ich ihn nur in vier (bzw. sechs) große Teile um ihn in den Bräter zu bekommen, da ich persönlich sehr gerne „Knochen abnage“ und je mehr Knochen noch am Fleisch sind, desto saftiger bleibt dieses. Ich hatte dann die zwei Vorderläufe, den vorderen Rücken, den hinteren Rücken mit Bauchlappen und die zwei Hinterläufe voneinander getrennt. Wer sich diese Arbeit nicht gerne macht, kann natürlich auch beim Metzger schon einen zerteilten Hasen mitnehmen. Oder man kann ihn auch komplett entbeinen und die Knochen für einen Fondansatz benutzen. Doch bei mir bleibt sogar der Bauchlappen dran, da man den meiner Meinung nach auch gut essen kann. Also dann wusch ich das arme Ding wie Chris ihn dauernd nannte ordentlich ab, tupfte ihn schön gründlich trocken und verstaute ihn in einem Bräter, zwischendrin schichtete ich immer wieder ein wenig Gemüse mit ein und übergoss ihn anschließend mit der Beize. Dann noch die Gewürze dazu, und abgedeckt kam er dann in Keller. Und bis Chris von seinem Spaziergang zurückkam, waren alle Spuren meines „Verbrechens“ schon wieder beseitigt.
Die Woche darauf versuchte ich mich dann das allererste Mal an dem Hasenbraten aus meiner Kindheit. Es gab noch Spätzle und Gemüse dazu falls es nicht funktionieren sollte also genug Ausweichmöglichkeiten. Nun am Ende führte das nur dazu das wir drei Tage etwas zu Essen hatten. Denn der Braten wurde super, genau so wie ich ihn in Erinnerung hatte, saftig und zart, mit einer deftigen Bratensoße und meinen geliebten Spätzlen. Chris und seine Mutter vergaßen schnell was sie da für ein Fleisch aßen und mussten am Schluss zugeben, dass man auch Hasenfleisch essen kann und das es super schmeckte. Und nun gibt es immer wieder zu speziellen Tagen, oder wenn ich mal wieder Lust auf etwas Außergewöhnliches habe, den sauren Hasen.

Saurer Hase, Hasenbraten

Ihr wollt´s was Außergewöhnliches? Für einen Feiertag oder einfach einen besonderen Tag? Wie wärs mit einem Hasenbraten! Braucht ein wenig Vorbereitungszeit, doch die Mühe lohnt sich auf jeden Fall! Traut euch einfach mal und macht´s was Neues!
5 from 2 votes
Vorbereitungszeit 1 Std.
Zubereitungszeit 2 Stdn. 30 Min.
Einlegezeit des Hasen 7 d
Gericht Hauptgericht
Land & Region Deutsch
Portionen 4 Personen
Kalorien 456 kcal

Zutaten
  

für die Beize:

  • 1 Hasen (ca. 1,7 kg) (man kann ihn auch bereits zerteilen lassen beim Metzger)
  • 0,5 L Rotwein
  • 0,5 L Wasser
  • 0,25 L Essig (Rotweinessig, oder den, den ihr Zuhause habt´s...)
  • 1 Karotte
  • 100 Gramm Knollensellerie (Ca. Angabe, wenn es ein wenig mehr oder weniger ist, auch net schlimm :D)
  • 1 Schalotte
  • 2 Knoblauchzehen
  • versch. Wurzelgemüse Wenn ihr noch anderes Wurzelgemüse im Kühlschrank habt´s, dann könnt ihr das natürlich auch rein machen. Karotte, Knollensellerie sowie Schalotten/Zwiebeln und Knoblauch sind so die Grundsachen die ich immer in die Beize mache.
  • 2 Stay Spiced ! Lorbeerblätter
  • 1 TL Stay Spiced ! Wacholderbeeren ganz (italienische Riesen)
  • 1 TL Stay Spiced ! Pimentkörner ganz
  • 2 TL Stay Spiced ! Senfkörner goldgelb
  • 4 Stay Spiced ! Nelken ganz
  • 1 TL Stay Spiced ! Pfeffer ganz (z.B. bunter Pfeffer & rosa Beeren)

Zum Braten

  • 1 EL Butter
  • ein wenig Beize (abgeseiht, ca. 200 ml aber das einfach auch nach Geschmack. Wer es gerne säuerlicher hat, gerne mehr.)
  • 350 ml Gemüsefond
  • 1 L Wasser
  • 1 Karotte
  • 100 Gramm Knollensellerie (circa.)
  • 1 Schalotte
  • 2 Knoblauchzehen

Für die Soße:

  • etwas Stärke bzw. Soßenbinder
  • 1-2 TL Schmand
  • eine Prise Stay Spiced ! Meersalz
  • eine Prise Stay Spiced ! Schwarzes Gold

Anleitungen
 

Zuerst wird der Hase für 5-7 Tage in der Beize eingelegt.

  • Den Hasen zerteilen, an den Gelenken die Läufe vom Rumpf trennen, beim Rippenansatz seitlichen zu den untersten Rippen einschneiden und dann durch drehen, den oberen Rumpf vom unteren mit dem Bauchlappen trennen. Den Kopf kann man auch durch einschneiden am Genick und leichtes drehen entfernen. (Dieser Schritt fällt weg, wenn man den Hasen bereits zerteilt vom Metzger mitnimmt.)
  • Das Fleisch gründlich abspülen und trocken tupfen. Dann in eine verschließbare Form schichten, zwischen drin die Gewürze und das grob geschnittene Gemüse mit reinlegen. Den Knoblauch schäle ich und drücke dann mit der flachen Seite des Messers auf ihn, bis er angeknackt ist, dann schneide ich große Zehen noch entzwei, kleine kann man auch ganz zugeben.
  • Anschließend stelle ich die Beize her in dem ich die drei Flüssigkeiten miteinander vermische und vorsichtig über das Fleisch, das Gemüse und die Gewürze gieße.
  • Dann kommt der Deckel auf das Ganze und der Hase für 5-7 Tage in Keller oder wenn man einen großen Kühlschrank hat auch in den Kühlschrank.
  • Falls die Beize das Fleisch nicht komplett bedeckt, sollte man immer mal wieder die oberen Fleischstücke ein wenig wenden, so dass alles gut ein gebeizt wird.
  • Nach der Woche die Fleischstücke aus der Beize nehmen und sanft mit Wasser abspülen, anschließend trocken tupfen.

Dann kommt das Braten 😉

  • Den Ofen vorheizen auf 180 Grad Ober/Unterhitze (160 °C Umluft).
  • In einem großen Bräter die Fleischstücke nacheinander in der Butter gut von allen Seiten anbraten.
  • Das Gemüse grob schneiden, (die Karotte und der Knollensellerie muss man nicht unbedingt schälen, wenn man weiß wo das Zeug herkommt oder man Bio Gemüse genommen hat), den Knoblauch andrücken und die Gewürze aus der Beize wieder zugeben (wenn man lieber frische Gewürze nehmen möchte kann man auch die gleiche Gewürzmischung wie oben, wieder frisch dazugeben).
  • Das Gemüse mit dem Fleisch ein wenig anrösten, bevor man es mit der Beize ablöschen kann. Und dann noch den Bratensatz mit einem Kochlöffel vom Boden lösen.
  • Dann mit dem Fond und Wasser und je nach Geschmack auch noch mit ein wenig Beize auffüllen, bis das Fleisch bedeckt ist.
  • Anschließend kommt der Deckel drauf und der Bräter in den vorgeheizten Backofen (180 °C Ober/Unterhitze) für ca. 1 Stunde.
  • Nach der Stunde sollte man mal nach dem Fleisch schauen, je nach Größe des Hasen kann es allerdings noch ca. ½ Stunde dauern bis es so zart ist das es sich ganz leicht vom Knochen lösen lässt. Ich nehme immer einen Hinterlauf und schaue dort ob es zart genug ist, da dieser der das dickste Stück Fleisch vom Hasen ist. Wenn man auf Nummer sicher gehen möchte kann man auch einfach mit einem Bratenthermometer die Kerntemperatur messen, diese sollte bei 70 °C liegen, dann ist der Hase gar.
  • Nun können die Fleischstücke aus dem Bräter genommen werden und im ausgeschalteten Ofen noch ein wenig warmgehalten werden, während man die Soße finalisiert.
  • Ich schöpfe immer ein wenig von der Flüssigkeit die nun im Bräter ist ab, sieb die Gewürze und das Gemüse raus und fülle es in einen kleinen Topf. Hier kann man dann mit Stärke oder Soßenbinder die Flüssigkeit auf die gewünschte Sämigkeit binden und mit ein wenig Schmand abrunden. Dann noch mit Pfeffer und Salz abschmecken.

Notizen

Perfekt zu diesem Hasenbraten passen Spätzle, Semmelknödel oder Brezenknödel. Wer viel Hunger hat, oder eine große Familie 😀 kann noch verschiedenes Gemüse dazu reichen wie gegarten Spargel, Rotkohl oder gebratene Pilze.
Kaninchen und Hasen werden in der industriellen Fleischproduktion immer noch sehr schlecht gehalten, informiert euch am Besten wo das Fleisch herkommt welches ihr essen möchtet, außer ihr könnt es mit eurem Gewissen vereinbaren. Ich persönlich besorge es mit beim Metzger meines Vertrauens, hier weiß ich, dass das Fleisch aus der Gegend kommt und es artgerecht gehalten wurde. Auch wenn es ihnen vermutlich nicht so gut geht wie damals bei meinem Opa.
Natürlich braucht man für dieses Rezept nicht immer einen ganzen Hasen, man kann es auch mit nur ein paar Hasenteilen machen, dazu müsste man natürlich die Menge der Beize verringern, man braucht nur so viel, dass das Fleisch bedeckt ist. Ich benutze gerne so viel vom Tier wie ich kann und deswegen landet es bei mir immer komplett im Bräter.
Die Soße schmeckt durch die Wein-Essig-Beize sehr säuerlich, was man durch den Schmand zwar abrunden kann, falls es einem allerdings nicht schmeckt, müsste man entweder die Beize weglassen im Bräter oder eine extra Bratensoße herstellen.
  • Die Nährwerttabelle entspricht einer Portion und ist daher nur als ungefährer Richtwert zu betrachten ! 

Nährwerttabelle

Kalorien: 456kcal (23%)Kohlenhydrate: 15g (5%)Eiweiß: 56g (112%)Fett: 6g (9%)Gesättigte Fettsäuren: 2g (13%)Cholesterin: 203mg (68%)Natrium: 575mg (25%)Kalium: 1407mg (40%)Ballaststoffe: 2g (8%)Zucker: 5g (6%)Vitamin A: 5293IU (106%)Vitamin C: 8mg (10%)Kalzium: 97mg (10%)Eisen: 9mg (50%)
Keyword Braten, Festtagsessen, Hase, Hasenbraten, Hauptgericht, Sauerbraten
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Steffi

Steffi

liebt die deutsche, deftige Küche, mit Fleisch, Spätzle und Semmelknödeln. Sie backt auch für ihr Leben gern, eigentlich nicht mal so sehr für sich selbst, sondern eher um Ihren Mitmenschen eine Freude zu bereiten. Sie probiert immer wieder neues aus und lässt sich dabei von vielen verschiedenen Sachen inspirieren. In ihrer Freizeit werkelt sie im eigenen Garten, in der Werkstatt ihres Vaters oder schreibt ihre verrückten Fantasygedanken auf.

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Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. 😍Ulli H.

    5 stars
    Tolles Rezept 😀👍

  2. Siggi 🤩

    5 stars
    Sehr gutes Rezept 👍

  3. Lindi

    Tolles Rezept und es erinnert mich an meinen Vater, denn ich bin auch mit Stallhasen groß geworden. Ewig nicht mehr gegessen, aber Sonntag gibt es einen Hasen von einem Bauern in unserer Nähe. Sauer eingelegt und wir freuen uns sehr auf das leckere Essen. Naja, bis auf meinen Mann, der dad nicht kennt und sich alternativ Pesto Genovese wünscht. Bekommt er und wir den Hasen mit Knödeln, Rotkraut und Salat😂.

    1. Das freut uns sehr, wenn ein Gericht emotionen auslöst – das ist es was wir am Bloggen und Kochen so lieben! Danke dafür ! 😀

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